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Covid-19, Organisation

«Die gezielte Datenerfassung gehört heute zum State of the Art»

Im Interview mit Alexander Boll, Head of Service Unit Digital Transformation 25.01.2022

Nach bald zwei Jahren Pandemie – was sind die wichtigsten Erkenntnisse der digitalen Transformation?

Die Immobilienwirtschaft als stark fragmentierte, zu weiten Teilen analog funktionierende Branche war insbesondere gezwungen, Zusammenarbeitsmodelle neu zu denken und digitale Hilfsmittel in der internen und externen Kollaboration einzusetzen. Die Vorurteile gegenüber dem virtuellen und digitalen Arbeiten haben sich nicht bewahrheitet – im Gegenteil. So fordern und fördern die aktuellen Rahmenbedingungen das digitale «Transformation Mindset» in allen Bereichen der Wertschöpfungskette, vom digitalen Vertragsabschluss über das Dokumentenmanagement bis hin zur Data Governance.

Wo liegen die dringlichsten Herausforderungen, denen sich die Bau- und Immobilienbranche zurzeit prioritär stellen muss?

Wichtig ist es nun, diesen Digitalisierungsschub zu nutzen und weiter an der digitalen Erfassung von Daten entlang der Kerngeschäftsprozesse festzuhalten. Nur so kann eine solide, strukturierte Basis für die Teilautomatisierung von Prozessen und der damit einhergehenden Effizienz- und Produktivitätssteigerung geschaffen werden. Die gezielte Datenerfassung ist längst kein Wettbewerbsvorteil mehr, sondern gehört heute zum State of the Art.

Wie weit fortgeschritten ist die Branche in Bezug auf die digitale Transformation?

Isolierte Systeme und separate Applikationen sind nach wie vor die Norm. Das Potenzial, integrierte, medienbruchfreie und unternehmensübergreifende «End-to-End» Systemlandschaften zu schaffen, ist hoch! In einem ersten Schritt beschäftigen sich viele Unternehmen mit dem physischen Dokumenten- und Posteingang sowie der Kundenkommunikation bzw. den Kommunikationskanälen. Im fortgeschrittenen Stadium wendet man sich der Digitalisierung der Geschäftsprozesse zur systemgestützten Arbeit zu, z. B. im Rahmen von Projekt- und Kreditanträgen. Dafür sehe ich etablierte Prozess- und Projektvorgehensmodelle als entscheidend an. Diese beinhalten eine fundierte Analyse der Prozesse, strukturierte Aufnahme von Anforderungen, ein solides Testmanagement und die richtige Technologieauswahl und Projektvorgehensweise.

Welche Technologien werden in Zukunft relevant?

Zukünftig steht die intelligente Verbindung von etablierten und neuen Technologien im Vordergrund, nicht einzelne Applikationen. Cloud Computing wird gemeinsam mit Prozessdigitalisierungssoftware das Fundament für die Automation bilden. Mobile Applikationen gepaart mit Robotics, das heisst Chat-Bots, könnten den Markt unter anderem im Bereich Kundenkommunikation stark verändern. Die kontinuierliche Sammlung von Daten und deren gezielte Nutzung für Predictive Analytics bilden eine spannende Technologiekombination, beispielsweise für die Risikoanalyse von Marktveränderungen. 

Was sind die wichtigsten Trends für die nächsten fünf Jahre? Worauf muss die Immobilienwirtschaft besonderes Augenmerk legen? 

Individualisierung und Customizing sind wohl die grössten Merhwerte, die wir aus der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen ziehen können. Die Trends zur Vernetzung auf Basis digitaler Infrastrukturen und das Internet of Things (IoT) werden hierzu speziell in der Immobilienbranche einen signifikanten Beitrag leisten. Themenbereiche, wie beispielsweise Smart Access, Smart Parking oder Energy Management rücken ebenfalls in den Vordergrund. Längerfristig werden der demografische Wandel und die Blockchain als technologischer Trend zu neuen Anwendungsfälle führen, welche heute noch wenig vorstellbar sind.

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