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Sustainability

"Der Ressourcen- und Energieverbrauch unserer Gesellschaft ist ungebremst."

Im Interview mit Jürg Schneider 24.08.2022

Wir sind in der vielzitierten "neuen Normalität" nach der Corona-Pandemie angekommen. Welche Erkenntnisse hast du für dich und deinen Arbeitsalltag mitgenommen?

…und irgendwie geht es dann doch. Wir Menschen haben gerne definierte Strukturen und Prozesse. Wenn es aber darauf ankommt, sind wir alle beeindruckend flexibel und pragmatisch. Wieso nutzen wir unsere neu entdeckte Flexibilität nicht auch in unserer Branche? Wieso nicht ein paar definierte Abläufe in unserer Immobilienwelt hinterfragen und so kreislauffähiger, nachhaltiger, klimafreundlicher werden?

Wo liegen die dringlichsten Herausforderungen, denen sich die Bau- und Immobilienbranche zurzeit prioritär stellen muss?

Der Ressourcen- und Energieverbrauch unserer Gesellschaft ist ungebremst. Hier müssen wir sehr zügig Gegensteuer geben. Die Lösungen dazu gibt es schon: Dekarbonisieren, nachhaltigere Materialien, Kreislaufwirtschaft etc. Die Kunst ist es, diese Lösungen mit der Nachhaltigkeitsstrategie einer Firma stringent zusammenzubringen, damit man sie auf ein konkretes Portfolio oder Bauprojekt anwenden kann.

 

Wie weit fortgeschritten ist die Bau- und Immobilienbranche hinsichtlich des zirkulären Gedankenguts?

Ein paar First Mover haben mit spannenden Leuchtturmprojekten erste Akzente in der Schweiz gesetzt. Im Bereich Wiederverwendung von Bauteilen, dem Einsatz von bio-basierten Materialien oder Product-as-a-Service wurden in den letzten Jahren inspirierende Projekte realisiert. Die innovativen Akteure in der Immobilien- und Baubranche erkennen gerade die Chancen und Potenziale der Kreislaufwirtschaft und ziehen erfreulicherweise nach.

Welche Technologien werden in Zukunft relevant?

Neue digitale Tools unterstützen uns, den Nachhaltigkeits-Impact wie die graue Energie, CO2-Emissionen oder die Umweltbelastung sehr schnell zu berechnen und zu optimieren. Ich bin ein grosser Fan des Materialpasses von Madaster. So einfach und effizient können wir den Ressourcenbedarf eines Gebäudes erst seit Kurzem darstellen. Immer mehr an Bedeutung gewinnen auch die Bauteilplattformen. Die haben sich bislang primär auf private und kleinere gewerbliche Nutzer fokussiert. Neuerdings zeigen auch professionelle Bauherren, Planer und Generalunternehmer Interesse, diese Bauteilplattformen zu nutzen. Damit wird die Menge an angebotenen Bauteilen und Materialien viel grösser. Dies macht diese Plattformen natürlich wesentlich attraktiver.

Was sind die wichtigsten Trends für die nächsten fünf Jahre? Worauf muss die Bau- und Immobilienwirtschaft besonderes Augenmerk legen? 

Die Bau- und Immobilienbranche testet heute die Kreislaufwirtschaft in einzelnen Bauprojekten punktuell aus. In den nächsten fünf Jahren werden viele Immobilieninvestorinnen und -investoren Circularity konsequent in ihrem gesamten Portfolio umsetzen, denn hier liegen ihre grossen Hebel für den Klima- und Ressourcenschutz.


Jürg Schneider ist Head of Service Unit Circularity bei der pom+Consulting AG und begleitet Unternehmen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft auf dem Weg vom linearen zum kreislauffähigen Wirtschaftsmodell. Zuvor war der Umweltingenieur ETH unter anderem mehrere Jahre als Leiter Nachhaltigkeit bei SBB Immobilien tätig. Dank seinem MBA in Management und Corporate Finance weiss er um das Zusammenspiel von Wirtschaftlichkeit und ökologischen Massnahmen. Seine Leidenschaft für die zirkuläre Denkweise stellte er als langjähriges Vorstandsmitglied beim Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) und der Schweizerische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (SGNI) unter Beweis.

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