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Building, Trends

BIM-Studie misst der Immobilienbranche den Puls

Gastbeitrag von Yves Ballinari, Fachjournalist bei Inoveris 02.11.2018

Die jüngste Analyse der Unternehmensberatung pom+ zeichnet nach, was BIM im Alltag für Fachleute in der Immobilienwirtschaft bedeutet.

Die rund 350 Teilnehmer der Situationsanalyse 2018 zu BIM in der Schweizer Immobilienwirtschaft glauben an den Nutzen der Digitalisierung und wollen sie mitgestalten, zeigen aber auch ihre derzeitigen Grenzen auf. Das geht aus der Auswertung der eingegangenen Antworten auf den 42 Seiten umfassenden Fragekatalog hervor, der online rund 1600-mal aufgerufen wurde. Die Zürcher Unternehmensberatung pom+ wandte sich mit den Fragen im Auftrag der Kammer unabhängiger Bauherrenberater (KUB) an Fachleute in der Schweiz. Jeder vierte Teilnehmer der Studie ist hauptsächlich als Architekt, Bauingenieur oder Fachplaner in Bauprozesse involviert. Jeder fünfte zählt zur Gruppe der Bauherren respektive deren Berater und Vertreter. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hat Erfahrungen mit BIM gesammelt. Neun von zehn Befragten geben an, der Einsatz im Rahmen ihrer Projekte erfolge hauptsächlich bei Neubauten. Das sei angesichts des Potenzials von Sanierungen erstaunlich, sagt Adrian Wildenauer, der die Analyse bei pom+ betreut. «Es zeigt aber klar auf, wo nahezu alle Beteiligten den Mehrwert von BIM sehen.»

Daten verlieren sich

Die Kostenfrage stehe in der Analyse der beiden vergangenen Jahre im Vordergrund, sagt Wildenauer. Laut der aktuellen Auswertung geben nahezu zwei Dritttel der Befragten an, dass ihr Unternehmen in naher Zukunft am meisten durch Effizienzsteigerung von BIM profitiere. Auf die eigenen Projekte bezogen, antworten 75 Prozent, dass die Kosten durch den Einsatz von BIM stabil geblieben oder gesunken sind. Gleich viele vertreten die Meinung, dass die Projekte dadurch schneller oder gleich schnell vorankamen. Die Anwendung der Technologie erstreckt sich dabei auf sämtliche Phasen der Projekte. In der Studie sind sie gemäss den SIA-Vorgaben aufgeschlüsselt. Auf die Phase Bauprojekt entfallen über 80 Prozent der Antworten, wobei mehrfache möglich waren. Dem gegenüber stehen die Projektphasen Betrieb und Erhaltung, in der nur jeder fünfte bzw. sechste Befragte BIM verwendet. Zwei Drittel nutzen aufbereitete Daten, um «kosten- oder terminrelevante Entscheidungen im Projekt herbeizuführen». Eine knappe Mehrheit verneint zugleich die Frage, ob sie mittels BIM generierte Daten für phasenübergreifende Leistungen verwenden konnten. Dafür machten die Teilnehmer unterschiedliche Gründe geltend. «Wie letztes Jahr zeigt sich in den Aussagen erneut, dass sich die Daten tendenziell verlieren, sobald Dritte im Spiel sind», so Wildenauer.

Bildung gefragt und hinterfragt

Im Vergleich mit der Umfrage aus dem vergangenen Jahr fallen vor allem die Antworten auf die Frage nach Pilotprojekten auf. Sechs von zehn Teilnehmern berichteten, innerhalb des nächsten Jahres solche Projekte mit BIM umzusetzen. «Dieser Wert ist deutlich höher als zuletzt», sagt Wildenauer. Unter den Befragten, welche die Einführung von BIM in ihrer Organisation planen, gaben zwei Drittel an, das unter Beihilfe von externen Experten zu tun. Die grosse Mehrheit schliesst sich zusätzlich mit Projektpartnern zusammen und nimmt an firmeninterner Ausbildung teil. Kritisch zeigten sich die Teilnehmer, wenn sie vorgegebene Aussagen um BIM und das Thema Mitarbeiter einordnen. Neun von zehn Teilnehmern bestätigen, dass es schwierig ist, geeignete und ausreichend geschulte Fachleute zu rekrutieren. Nicht einmal ein Viertel hält die eigenen Bildungsangebote in dieser Hinsicht für ausreichend. Und fast drei Viertel geben der Aussage Recht, wonach ein Wildwuchs an Schulungsangeboten besteht. Viel Luft nach oben sehen die Teilnehmer der Umfrage darüber hinaus bei den Verbänden bzw. Vereinen und der Politik. Keine der 15 vorgeschlagenen Organisationen erhielt mehr als 27 Prozent an Zustimmung, wenn es um die Aussage geht, sie sei Vorreiterin beim Thema BIM. Eine grosse Mehrheit stimmt dagegen zu, dass die Politik in der Schweiz eine aktive Rolle einnehmen soll. Die zur Wahl stehenden gesetzlichen Rahmenbestimmungen erhielten von den Befragten allerdings durchwegs schlechte Noten. Was die beteiligten Akteure in der Wirtschaft betrifft, ruhen die Erwartungen der grossen Mehrheit auf den Bauherrschaften. Sechs von zehn nannten diese Rolle als grössten Treiber zum Thema BIM in der Schweiz.

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