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Sustainability, Digital

Die Digitalisierung der Energiewende: Smart gemessen ist halb gewonnen – Teil 1

Isabel Gehrer 25.10.2020

Mit der obligatorischen Einführung von Smart Metern per 25. Oktober 2020 fällt in Deutschland der Startschuss für die Digitalisierung der Energiewende. Immobilieneigentümer stehen damit ab sofort in der Pflicht. Teil 1 unserer Blog-Serie erklärt, worum es geht, was Eigentümer jetzt beachten sollten und wieso das Thema auch für die Schweiz relevant ist.

Wir leben in smarten Zeiten. Nachdem sich Smart City und Smart Home mittlerweile schon im Volksjargon etabliert haben, ziehen nun die intelligenten Stromzähler nach. Immobilieneigentümer und Bauherren werden damit ab sofort stark in die Pflicht genommen: So müssen sowohl deutsche Unternehmen wie auch Privathaushalte, die zwischen 6'000 und 10'000 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr verbrauchen, ab Ende Oktober mit fernauslesbaren, d.h. funkfähigen, Zählern ausgestattet werden. Bis 2027 muss der gesamte Gerätebestand nachgerüstet werden.

Worum geht es?

Deutschland reagiert damit auf die Energieeffizienz-Richtlinie EED (Energy Efficiency Directive) der Europäischen Union von 2018. Diese setzt bei der Reduktion des Energieverbrauchs direkt beim Nutzer an und baut auf der Überlegung auf, dass nur wer seinen Energieverbrauch kennt, ihn auch tatsächlich beeinflussen kann. Anders als die analogen Zähler werden Smart Meter nicht mehr händisch abgelesen, sondern stattdessen ins Kommunikationsnetz der Energieversorgung eingebunden. So stellen Smart Meter künftig die erfassten Verbrauchsdaten für Nutzer, Netzbetreiber, Energielieferanten sowie unabhängige Messstellenbetreiber bereit und ermöglichen auf diese Weise eine Fernauslesung.

Was sind die Vorteile?

Smart-Metering-Systeme liefern damit wertvolle Informationen für das intelligente Verteilnetz (Smart Grid). Rebekka Ruppel, CEO pom+ Deutschland, erklärt: «Dank der automatischen Aggregation, Verarbeitung von Übermittlung von Verbraucherdaten lassen sich zeitnahe Informationen zum lokalen Strombezug eruieren. Somit werden intelligente Messsysteme zur zentralen Komponente eines stabilen, nachhaltigen Stromnetzes.»

Darüber hinaus sind Smart Meter auch für die übergeordnete, unternehmerische Nachhaltigkeitsstrategie relevant. Das lässt sich am besten im Vergleich mit einer Smart Watch illustrieren: Eine digitale Uhr misst weitaus mehr als nur Zeit. Sie liefert auch unmittelbare Informationen zum Herzschlag, dem Kalorienverbrauch oder der Anzahl Schritte, die wir absolvieren. Sie dient damit dem übergeordneten Ziel, unser Fitnesslevel zu optimieren und unterstützt uns dabei, ein gesundes Leben zu führen.

Genauso verhält es sich mit einem Smart Meter. Johannes Gantner, unser Head of Service Unit Sustainability, erklärt: «Ein Smart Meter misst und übermittelt nicht nur Verbraucherdaten, sondern identifiziert auch Stromfresser oder fördert die Nutzung zeitvariabler Stromtarife. Somit kann der eigene Energieverbrauch analysiert, Einsparpotenzial identifiziert und somit letztendlich die Energieeffizienz gesteigert werden. Damit unterstützen smarte Messsysteme auch die Kontrolle und Einhaltung von übergeordneten Nachhaltigkeitszielen auf Portfolioebene.»

Was Eigentümer jetzt wissen müssen

Eigentümer tun gut daran, Smart Meter analog der Smart Watch einzusetzen und sie für strategisch übergeordnete Zwecke zu nutzen. Richtig eingesetzt, tragen sie wesentlich zur Verminderung von Energieverbräuchen und damit letztendlich zur Reduktion von CO2-Emissionen bei. Voraussetzung für die Steigerung der Energieeffizienz sind eine integrale Nachhaltigkeitsstrategie, ein übergeordnetes Messkonzept und durchgängiges Datenmanagement. Mit dem Ein- und Ausbau eines funkfähigen Zählers allein ist es also keinesfalls getan!

pom+ unterstützt Immobilieneigentümer und Bauherren bei der gezielten Umsetzung nachhaltiger Zielwerte und gesetzlicher Vorgaben, sodass ein langfristig wiederkehrender Mehrwert erzielt werden kann.

  • In einem ersten Schritt erarbeiten wir eine übergeordnete Nachhaltigkeitsstrategie, legen konkrete Emissions- und Verbrauchsziele fest und definieren, welche Daten dafür benötigt werden.
  • Als nächstes analysieren wir Ihre Daten aus vorhandenen Quellen wie der Nebenkostenabrechnung und den Liegenschaftsstammdaten und reichern sie mit statistischen Marktdaten aus dem unternehmenseignen Datenpool an.
  • Mit den durch die Smart Meter ermittelten Informationen schliessen wir ausstehende Datenlücken.
  • Die Ergebnisse bilden wir in einem webbasierten, interaktiven Nachhaltigkeits-Cockpit ab, um ein aktuelles Monitoring sicherzustellen.
  • Das Cockpit weist Liegenschaften mit den grösstmöglichen CO2-Einsparungen aus, zeigt Grenzwerte und Nachhaltigkeitsziele pro Gebäude an und kann zudem Potenzial und Kosten einer Instandsetzung oder einer Betriebsoptimierung berechnen.

Wo steht die Schweiz?

In der Schweiz ist der Startschuss für Smart Meter bereits vor drei Jahren gefallen, als das Stimmvolk der Energiestrategie 2050 und damit dem digitalen Messystem zugestimmt hat. Die Stadt Zürich beginnt 2021 mit der flächenendeckenden Einführung intelligenter Stromzähler.

Das ist richtig und wichtig – der Klimawandel kennt schliesslich keine Landesgrenzen. Ausserdem sind Daten bei allen nachhaltigen Bemühungen der Schlüssel zum Erfolg. Die Aggregierung ist dabei nur der erste Schritt in einer langen Prozesskette, die den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes umspannt. «Nur das stringente, standardisierte Management von Daten ermöglicht eine aussagekräftige Situationsaufnahme, eine differenzierte Analyse und die erfolgreiche Umsetzung von konkreten Massnahmen», schliesst Ruppel.


Warum es Smart Meter braucht

Mit dem stetigen Ausbau der erneuerbaren Energien wird die Stromerzeugung dezentraler und volatiler. Windkraftwerke und Solaranlagen z.B. sind wetterabhängig und produzieren nicht konstant die gleiche Menge Strom. Smart Meter sorgen für die Stabilität im Stromnetzes und bilden die technische Grundlage für die Energiewende. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW bietet eine gute Übersicht über sämtliche Funktionen und den Einsatz von intelligenten Messsysteme sowie über die Datensammlung und anfallenden Kosten. 


Im 2. Teil unser Blog-Serie zeigen wir auf, wie Bauherren und Immobilieneigentümer mit Smart Metern die Basis für ein Smart Building legen und dabei von tiefen Initialkosten profitieren.

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