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Digital

Die Digitalisierung von Prozessen als Chance für Asset, Portfolio und Property Manager

Isabel Gehrer 12.09.2019

Nicht nur der Nationalrat hat sich vergangenen Dienstag vertieft mit Daten auseinandergesetzt; auch im LAB100 an der Europaallee in Zürich wurden sie ausgiebig diskutiert. Im Rahmen der siebten Explorer Session von pom+ und SwissPropTech wurden PropTech Lösungen im Kreis von Investoren und Immobilienexperten besprochen, welche mit der Digitalisierung von Prozessen das Leben von Asset und Property Managern erleichtern wollen.

Die im Frühling durchgeführte Digital Real Estate Umfrage von pom+ hat ergeben, dass sich Schweizer Immobilienakteure von der Integration von Prozessen auf Plattformen den mittelfristig grössten Gewinn von der digitalen Transformation erwarten. Dabei befinden sich viele Unternehmen noch in der Planungsphase und fokussieren sich auf die Schaffung einer Datengrundlage. Daten sind das neue Öl, so das gängige Credo. André Golliez, Präsident der Swiss Data Alliance, winkt ab. «Der Vergleich hinkt», meint er in seinem Eingangsreferat. «Erdöl ist vergänglich, wohingegen Daten zur immateriellen Infrastruktur gehören. Ihr Wert liegt in der Wiederverwertung.» Und die Verwertung von persönlichen Informationen ist ein profitables Geschäft – im digitalen Zeitalter häufen sich Daten zu einer strategischen Ressource. Als Gründungsmitglied der Firma Zetamind entwickelt Golliez Datenstrategien für Unternehmen, wobei technische, rechtliche und kulturelle Dimensionen für die Datennutzung definiert werden. Er plädiert für die digitale Selbstbestimmung und verweist dabei auf die Nationalratsdebatte zur E-ID: «Die Aufgabe der Datenpolitik besteht darin, die Rahmenbedingungen für einen vertrauenswürdigen Datenraum zu schaffen.» 

Demokratisierung des Anlagemarktes

Auch für Domenic Kurt, CEO von Crowdlitoken, ist Selbstbestimmung ein zentraler Wert und Daten Mittel zum Zweck. Mit seinem Team plant er den Vertrieb einer digitalen Anleihe. Diese auf der Blockchain abgebildeten Obligation ermöglicht Anlegerinnen und Anlegern, Investments auf einzelne Liegenschaften zu verteilen und sich so ein eigenes Portfolio zusammenzustellen. «Unser Ziel ist, die Immobilie als Produkt retailfähig zu machen und den Anlagemarkt zu demokratisieren. Die Mindestinvestition beträgt daher lediglich 100 Franken», erklärt Kurt.

TOWER360 fokussiert sich ebenfalls auf Anleger, allerdings auf die gegenteilige Sparte: die Software as a Service (SaaS) richtet sich vornehmlich an Investoren mit grossen Portfolios sowie an Immobilienverwaltungen und Broker. «Weniger Leerflächen durch mehr Information», fasst Co-CEO Julian Vogel das Nutzerversprechen seiner Unternehmung zusammen. Und weiter: «Wir verstehen uns als Plattform zur zentralen Verwaltung von Daten und Workflows.» Drei Web-Apps für Vermietung, Vermarktung und Reporting versprechen verkürzte Genehmigungsprozesse, zentrale Leerstandsverwaltung und vollintegrierte Systeme. Dabei werden die in der Immobilienverwaltung anfallenden Mengen an Daten aus verschiedensten Quellen in Echtzeit auf personalisierten Dashboards visualisiert und Flächenanfragen automatisch mit Angeboten abgestimmt.

Integrationstiefe als Erfolgskriterium 

Das Zürcher Unternehmen Flatfox verfolgt ein ähnliches Geschäftsmodell. «In erster Linie sind wir ein IT-Unternehmen», erklären die beiden Co-Founder Mattia Regi und Silvan Spross. «Wir kreieren Tools mit dem Ziel, die Verwaltungstätigkeit zu erleichtern und zugleich die Bedürfnisse der Mieterinnen und Mieter abzubilden. Wir wollen also nicht nur den Vermietungsprozess beschleunigen, sondern auch die Kommunikation zwischen Eigentümern und Mietern vereinfachen.» Seit der Gründung 2012 wurden die bestehenden Tools stetig weiterentwickelt und mit neuen Funktionen ergänzt. So werden beispielweise im Flatfox Messenger nicht nur Anfragen gebündelt, sondern auch Besichtigungstermine vereinbart und Bewerbungsformulare eingereicht. Mittels digitalem Anmeldeformular und der Funktion zur Mietvertragserstellung werden die Daten der Bewerber sowie alle Anhänge automatisch in das Enterprise Ressource Planning System (ERP) der Immobilienverwaltung übertragen.

«Von zentraler Bedeutung für die Digitalisierung von Prozessen ist die Integrationstiefe der Anwendungen in die unternehmensspezifische Systemlandschaft», erklärt Kevork Altanian, Head of Service Unit Digital Transformation bei pom+. Davor muss jedoch festgelegt werden, wie sich Prozesse dadurch verändern, ob neue Systeme überhaupt anzuschaffen oder bestehende anzupassen sind und welche Schnittstellen entwickelt werden müssen, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Altanian zeigt sich zufrieden mit dem Austausch: «Mit unseren Explorer Sessions wollen wir die Digitalisierung in der Immobilienbranche konkretisieren. Wir sprechen also über Lösungen entlang der Prozesse des Lebenszyklus von Immobilien, die bereits effektiv im Einsatz sind und diskutieren deren Potenziale für die Branche.» Das Format stösst auf Anklang. So fand in Zürich bereits die siebte Ausgabe statt. Auch in Bern hat die Eventserie rassig an Fahrt aufgenommen: am 27. November wird die dritte Explorer Session in der Welle7 durchgeführt.