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Building, Organisation

Es geht nicht alleine, das Silodenken muss endlich aufhören

Fabian von Stülpnagel 16.06.2018

Innovation Bau war auf dem von der Navispace AG organisierten BIM Innovationsforum, das am 8. Mai 2018 BIM Experten aus ganz Deutschland und der Schweiz bei einer gemütlichen Schifffahrt in Herrsching am Ammersee zum “Business Matchmaking” zusammenbrachte. Mehrere sogenannte Tablecaptains, besondere Experten auf ihrem Gebiet, leiteten die einzelnen Diskussionsrunden rund um die verschiedensten Aspekte von Building Information Modeling.

"Besonders in Bewirtschaftungsphasen, die mehrere Dekaden dauern können, ist man auf verlässliche Informationen und Daten angewiesen."

Im Gespräch mit Fabian von Stülpnagel: Adrian Wildenauer, Senior Consultant bei der pom+Consulting AG, über Bauwerksdokumentation und Virtual Reality im Bausektor, Silodenken unter Experten und die generelle Akzeptanz von BIM.

Innovation Bau: Hallo Herr Wildenauer, Sie waren auch unter den Fachleuten, die auf dem BIM Innovationsforum beim Business Matchmaking auf der MS Utting zu verschiedenen Fachbereichen rund um BIM diskutiert haben. Unter anderem waren Sie auch an den Tables rund um Virtual- und Augmented Reality in der Planung (AR) beteiligt. Welches Thema hat Sie besonders interessiert?

Adrian Wildenauer: Es gab mehrere spannende Themen, die interessant waren für mich. Am meisten haben mich jedoch die für die Bewirtschaftung relevanten Themen wie Bauwerksdokumentation aber auch die VR-Thematik interessiert, mit deren Hilfe Nutzer und Betreiber eines Gebäudes bereits frühzeitig Bauwerke begehen können und in frühen Phasen bereits nutzungsrelevante Entscheidungen validiert treffen können. Erst dadurch sind Gebäude für viele Nutzer erst begreifbar und komplexe Strukturen werden einfacher.

Innovation Bau: Ziel des Forums war es Innovationen im Bereich „Building Information Modeling“ zu entwickeln und zu fördern- inwiefern ist dies in Ihren Augen gelungen?

Adrian Wildenauer: (nachdenklich) In meinen Augen teilweise. Die Vernetzung mit den einzelnen Beteiligten war sehr gut, jedoch ist es natürlich nicht möglich, Innovationen voranzutreiben. Vieles diente erstmal der Verständigung und der Harmonisierung von Begrifflichkeiten. Hier gibt es noch grosses Nachholpotenzial. Viele verwenden den Begriff BIM zu inflationär und haben ein unterschiedliches Verständnis.

Innovation Bau: Und Sie persönlich? Was nehmen Sie aus dem BIM Innovationsforum mit?

Adrian Wildenauer: Das Silodenken muss endlich aufhören. Das geht aber nicht alleine, sondern muss von allen gehen. Wenn jeder sich ein kleines bisschen bewegt, kommen wir in der Industrie schon einen grossen Schritt weiter.

Innovation Bau: Wie können Sie oder Ihre Firma von Kontakten zu anderen “Mitstreitern” in Sachen BIM profitieren?

Adrian Wildenauer: Der gegenseitige Austausch ist befruchtend und lehrreich. Man lernt, sein eigenes Silo im Kopf niederzureißen und auch andere Meinungen zu hören. Außerdem zeigt es mir, dass wir mit unserem einfachen BIM Ansatz bei pom+ konsensfähig sind und mit dem Life Cycle Data Management den richtigen Ansatz für ein phasenübergreifendes Datenmanagement haben.

Innovation Bau: Auf was freuen Sie sich beim nächsten Innovationsforum?
 
Adrian Wildenauer: Am meisten freue ich mich darauf, die Personen wieder zu treffen, mit denen ich mich ausgetauscht habe und deren Sicht der Dinge nach dem Forum zu hören.
 
Innovation Bau: Was sehen Sie als größtes Hindernis für eine flächendeckende Einführung von BIM in Ihrem Fachbereich?
 
Adrian Wildenauer: Aufgrund der bisherigen vorherrschenden, zum Teil verkrusteten, Strukturen ist es nicht einfach, bestehendes aufzubrechen und neue Methoden, wie BIM eine ist, einzuführen. Besonders in Bewirtschaftungsphasen, die mehrere Dekaden dauern können, ist man auf Verlässlichkeit von Informationen und Daten angewiesen, um valide Entscheidungen zu treffen. Hier muss BIM Akzeptanz schaffen und mit Musterprojekten vorangehen. Es gilt, die Versprechen, die im Raum stehen, umzusetzen.
 
Innovation Bau: Herr Wildenauer, herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview wurde hier>> veröffentlicht.

 



Das Interview wurde von der Redaktion formell leicht angepasst.