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Trends

LCDM – Zukünftiger Standard für alle Eigentümer

Adrian Wildenauer 14.06.2018

Kein Artikel oder Projekt der Bauindustrie kann derzeit ohne die Wörter Blockchain, BIM (Building Information Modeling), Drohnen und Digitalisierung auskommen. Bedauerlicherweise fehlt für die wichtige Definition von BIM ein verbandsübergreifendes, nationales oder gar internationales einheitliches Verständnis. Je nachdem, wer den Begriff verwendet, jeder hat für «dieses» BIM unterschiedliche Interpretationen und Herangehensweisen; Aufgaben, Rollen und Verantwortungen werden anders ausgestaltet. Die Bewirtschaftungsphase, die längste Phase eine Projektes wird fast vollständig ausgeklammert.

Eine klare, eindeutige und konkrete Datenbestellung eines Bauherren über den gesamten Lebenszyklus eines Projektes hat heute Seltenheitswert. Selbst, wenn dieser den Teilaspekt BIM richtig bestellt, ist er kaum in der Lage, die generierten und übergebenen Daten zu prüfen, für sich zu verarbeiten und zu übernehmen. Vereinzelte Ansätze von BIM in das Facility Management (FM) sind vorhanden, aber auch diese sind nicht phasen- und projektübergreifend mit allen Beteiligten vernetzt. Es werden zwar umfangreiche Anforderungen an die Strukturierung der BIM Modelle gestellt, jedoch meist nur aus Planer- oder Unternehmersicht, nur in den wenigsten Fällen aber aus Sicht des der Nutzungs- und Betriebsphase. Diese Lücke behebt das Life Cycle Data Management, kurz LCDM.

Grundlagen bereits in der Planung schaffen

Die Grundzüge für die spätere Höhe der Bewirtschaftungskosten werden in den frühen Phasen der Planung und Realisierung gelegt, was nur den wenigsten Planungs- und Realisierungsbeteiligten bewusst ist. Jede falsche oder fehlerhafte Entscheidung in der Planung kann ein Kostentreiber für die Bewirtschaftungskosten sein. Bis dato wird mit BIM nur ein kleiner Teil eines Objektlebenszyklus mit digitalen Werkzeugen abgedeckt. Die Planungs- und Realisierungsphase, bei der BIM zweifellos hilft, ist nur ein kleiner Teil im Objektlebenszyklus und macht kostenmässig ca. 20% der Total Cost of Ownership (TCO) im Vergleich zur Bewirtschaftungsphase mit ca. 80% aus. Aus diesem Grund ist auch die systematische Datenbereitstellung für die Bewirtschaftungsphase enorm wichtig. Für die Nutzung notwendige Daten können oftmals nicht in der verarbeitbaren Form für den Bauherren geliefert werden, die er für seine Bedürfnisse benötigt. Oftmals wird der verursachte Aufwand auch schlicht unterschätzt – es werden zum Teil umfangreiche und vor allem teure Nacharbeiten benötigt, um Daten umzuwandeln und generell erst einmal nutzbar zu machen. Bauherren, die eine unzureichende Datenbestellung aufgegeben haben, können hiervon ein Lied singen.

Klare Definitionen nötig

Die wenigsten Bauherren verwenden eine projektübergreifende BIM oder gar eine LCDM Definition in ihren Ausschreibungsunterlagen. Dabei sind klare, strukturierte und vereinheitlichte klare Definitionen essentiell, wenn man eine so umfangreiche Leistung wie Datengenerierung, -verarbeitung, -speicherung über die nächsten 50 Jahre bestellt. Für eine standardisierte Definition hat das Schweizer Beratungsunternehmen pom+Consulting AG mit Sitz in Zürich LCDM wie folgt definiert:
Das projektübergreifende Life Cycle Data Management umfasst alle notwendigen Prozesse, Massnahmen und Verfahren mit dem Ziel, die Strukturierung, Erfassung, Verwaltung und Qualitätssicherung von objektspezifischen Daten über den gesamten Lebenszyklus sicherzustellen und allen beteiligten Rollen stets konsistente, akkurate und aktuelle Daten zur Verfügung zu stellen. Dabei ist LCDM kein einmaliges Ereignis, sondern ein laufender Vorgang über den gesamten Lebenszyklus eines Objektes. BIM wird dabei als Werkzeug zur Datenbeschaffung, –konsolidierung und –speicherung eingesetzt und dient auch der Strukturierung der Kommunikation und Kollaboration.

Aufbau der Bestellerkompetenz notwendig

Betrachtet man die technologische Entwicklung von Software, Methoden und das ganze Thema der Digitalsierung, fällt auf, dass der konkrete Aufbau der dazu notwendigen Datenbestellkompetenz des Bauherren nicht Schritt halten konnte. Ziele des Auftraggebers müssen in Zukunft nicht nur die klassischen Themen Qualität, Kosten und Termine umfassen, sondern auch den korrekten Umgang mit Daten über den Lebenszyklus. Es wird in Zukunft nicht darum gehen, für die über den Lebenszyklus relativ kurze Planungsphase eine Leistung wie BIM zu bestellen, sondern es wird notwendig sein als Bauherr, konkrete Datenanforderungen zu bestellen. Bauherren müssen lernen, entsprechend kompetent Modellanforderungen zu bestellen und mit Datenkatalogen sinnhaft umzugehen. Es genügt nicht mehr, pauschal BIM zu bestellen.

 

Die gezielte Erlangung dieser Bestellerkompetenz ist erklärtes Ziel des Life Cycle Data Managements (LCDM). Es ist eine gezielte und konsequente Weiterentwicklung von BIM und umfasst nicht allein Planung und Realisierung, sondern von der Projektidee bis zum Rückbau alle Stufen eines Immobilienobjektes. Weiteres Ziel ist die Optimierung von Datenverfügbarkeit, -übergabe und -bereitstellung über den Lebenszyklus. Der «Stufenplan Digitales Planen und Bauen» der deutschen Bundesregierung stellt klar fest: «Auftraggeber müssen lernen, mit BIM umzugehen und in die Lage versetzt werden, projektspezifische Anforderungen zum digitalen Bauen zu formulieren.» Das von pom+ vorgeschlagene LCDM geht eine Stufe weiter als Anforderungsformulierung. Es befähigt Bauherren, BIM korrekt für Ihr Portfolio projektübergreifend zu bestellen. Hier ist ausdrücklich das britische BIM Protocol des CIC (Construction Industry Council) zu erwähnen, welches eine solche Rolle in einem Bauprojekt in Grossbritannien ausdrücklich einfordert. Es siedelt diese Rolle direkt beim Besteller an – und nicht allein der Planende oder Realisierende ist für korrekte Datenstrukturierung verantwortlich. Diese haben nach Fertigstellung des Objektes auch zum Teil gar keine weiteren Interessen daran.

Der Besteller muss klar angeben, was er wann, wie und von wem benötigt, so wie es die Ausgangslage für das BIM Protocol war, das allerdings noch weiter geht: Der Bauherr ist über alle Phasen eines Projektes für die Stellung eines Informationsmanagers verantwortlich, der einem Life Cycle Data Manager (LCD Manager) gleich kommt. Betrachtet man die regelmäßige Übernahme von britischen Normen in die nationalen Regelwerke wird es diese Rolle auch bald im DACH Raum geben.

Vorgehen über den Lebenszyklus

LCDM basiert auf mehreren übergreifenden Schritten im Projektverlauf und der Nutzung des Objektes (siehe Abbildung 2). Wie bereits erwähnt, ist LCDM keine einmalige Aktivität im Projekt, sondern ein stetiges portfoliogetriebenes Unterfangen und kann per se schon nicht auf ein Projekt beschränkt sein.

Zu Beginn der Planungsphase (1) wird mittels LCDM spezifiziert, welche Anforderungen an BIM Modelle aus Sicht der Bewirtschaftungs- und Nutzungsphase gestellt werden müssen. Dazu werden Datenlieferschemen vom LCD Manager aufgestellt, mit dem Inhalt wer wann was dem Bauherren in welcher Form liefern muss. Resultat ist ein klarer Datenübergabekatalog an den Bauherrn von der Planungsphase an. In diesem sind auch die Anforderungen der Player der Nutzungs- und Bewirtschaftungsphase integriert. Dies betrifft z.B. die Anforderungen aus Sicht des Gebäudebetriebs, ganzheitliche Betriebskonzepte und die frühzeitige Optimierung von Lebenszykluskosten. Dies betrifft beispielhaft die ordnungsgemässe Bestellung von notwendigen Daten für die Reinigungsleistung in der Nutzungsphase.

Wie schon erwähnt, übernimmt bereits in der Planungs- und Realisierungsphase das LCDM die phasenweise Qualitätskontrolle der Daten (2). Es wird regelmässig geprüft, ob die in der Planung und Realisierung generierten und bereitgestellten Daten der Bestellung entsprechen und für den Betrieb nutzbar sind. In unserem Fall, z.B. ob die notwendigen Flächendaten les- und auswertbar sind für das zukünftige CAFM (Computer Aided Facility Management) System. Der LCD Manager greift aktiv ein, sollten die Daten nicht verwendbar sein. Planende und Realisierende sind weiterhin für die korrekte Lieferung gemäss den Spezifikationen aus der Bestellung verantwortlich.
Mittels einer Qualitätskontrolle von der Realisierungs- in die Bewirtschaftungsphase wird sichergestellt, dass die Daten abschliessend korrekt übergeben werden. (3) Dies geschieht meist mittels definierten Prüfkatalogen und -regeln, die der LCD Manager schon in der Projektstrukturierung in Zusammenarbeit mit Bauherr, Nutzer und Bewirtschafter aufgestellt hat. Als Vorreiter in der Schweiz hat pom+ hier umfangreiche Erfahrung auf der Grundlage des Prozessleistungsmodells (ProLeMo) des CRB in der Bündelung von lebenszyklusrelevanten Daten und Dokumenten sammeln können.
In der Bewirtschaftungsphase (4) wird vom Life Cycle Data Manager darauf geachtet, dass die Daten und Dokumente für den Betrieb aktuell bleiben. Sollte dies nicht der Fall sein, werden Mutationen im Auftrag des Eigentümers eingefordert, um Modelle und Daten auf den aktuellen Stand zu halten.

Fazit

Ein LCD Manager ist ein Muss für den professionellen Eigentümer und Bauherrn. Er sorgt mit der intelligenten, vorausschauend aktiven Steuerung von Daten für die korrekte, portfoliogetriebene Strukturierung von Projekten. Er definiert welche Daten wann benötigt werden und wie diese geliefert werden müssen. Weiterhin wird sichergestellt, dass die Verantwortlichkeiten für Generierung, Speicherung, Vorratshaltung und Pflege der objektrelevanten Daten klar verteilt sind. Eigentümer profitieren von einer einheitlichen Datenstrukturierung ihres Portfolios – in Zukunft noch mehr als jetzt. Qualität von phasenübergreifenden Daten, Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Daten sowie die Effizienz der Datenverfügbarkeit werden im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung der Immobilienwirtschaft die ausschlaggebenden Kriterien der Zukunft sein. Bauherren werden zukünftig Datenanforderungen und -kataloge bestellen, nicht mehr nur BIM Modelle.