Zurück

Digital, Trends

"Liefere statt lafere", lautet die Devise

Joachim Baldegger 15.04.2020

Die Ergebnisse der diesjährigen Ausgabe der Digital-Real-Estate-Umfrage von pom+ zeigen, dass die Ernüchterung in der Immobilienbranche anhält. Der digitale Reifegrad der Immobilienwirtschaft ist sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Die Digital-Real-Estate-Umfrage wird in der Schweiz seit 2016 und in Deutschland zum zweiten Mal durchgeführt. Sie zeigt auf, welche Technologien bereits eingesetzt und wie ihr Nutzen eingeschätzt wird. Basierend auf der Befragung von 250 Immobilienexperten und Führungskräften wurde zudem der Digital Real Estate Index (DRE-Index) bestimmt, um den Digitalisierungsgrad der Branche zu messen. Und dieser ist 2020 um total 17% eingebrochen: Auf einer Skala von eins bis zehn beträgt der Index für die Schweiz und Deutschland insgesamt 3,87. Dabei weist Deutschland mit 3,81 (−24%) erstmalig einen tieferen Index aus als die Schweiz mit 3,88 (−14%). Diese Werte zeigen, dass noch ein weiter Weg vor der Branche liegt, viele Fragen offen sind und Chancen nur zögerlich ergriffen werden. 

Diskrepanzen in der Selbstbeurteilung

Der tiefere Index ist zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass viele Akteure aufgrund bereits realisierter Einzelmassnahmen und erster Best-Practices mittlerweile ein besseres Verständnis von den Herausforderungen haben, welche die digitale Transformation mit sich bringt. Der Index ist über die unterschiedlichen Rollen der Branche hinweg relativ ausgeglichen, wobei sich Eigentümer und Investoren im Schnitt kritischer bewerten als Planer und Bauunternehmer. Wird der DRE-Index mit der durchschnittlichen Selbstbeurteilung des Digitalisierungsstandes der eigenen Unternehmung verglichen, zeigt sich, dass sich einige Akteure weiter fortgeschritten wähnen, als sie in Wirklichkeit sind.

Die Konsequenzen, die sich aus der Digitalisierung für die Unternehmungen ergeben, werden von den Befragten unterschiedlich ausgelegt; ein einheitliches Verständnis fehlt. Einigkeit besteht hingegen darin, dass es an der Zeit ist für Taten. Wo in den letzten Jahren vor allem die Erarbeitung von Strategien zum Umgang mit der Digitalisierung im Vordergrund stand, liegt der Fokus neu auf der Umsetzung von Teilschritten. 

Datenmanagement hat Priorität

Die meisten Unternehmen konzentrieren ihre Digitalisierungsaktivitäten heute vor allem auf die Automatisierung von Prozessen und die Datenerfassung. So geniesst ein durchgehendes Datenmanagement denn auch über alle Akteure hinweg oberste Priorität, was die unverändert hohe Verwendung von Plattformen und Portalen oder der stetige Zuwachs im Einsatz von Building Information Modeling (BIM) zeigen. Mit einem zusätzlichen Schub ist in nächster Zeit bei Sensorik, Data Science, BIM, Blockchain sowie künstlicher Intelligenz zu rechnen. Noch wenig eingesetzt werden Blockchain, additive Fertigungstechnologien und smarte Materialien

Auffällig bei der Beurteilung des aktuellen Reifegrads von Technologien ist die durchgehende Ernüchterung nach dem grossen Hype – nach dem ersten Einsatz werden sowohl der Reifegrad als auch der Nutzen von Technologien in der Regel kritischer beurteilt. Einzig bei Sensorik, BIM und Data Science rechnen die Befragten mit einem höheren Nutzen als im Vorjahr.

Studie herunterladen: