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Building, Digital, Trends

Mehr als die Summe der Teile: «Das Areal der Zukunft ist ein kulturelles Instrument»

Isabel Gehrer 19.11.2020

Mit der zunehmenden Urbanisierung werden brachliegende Areale zum Hotspot. Dabei steht neu der Mensch anstelle der Immobilie im Zentrum aller Überlegungen. Die daraus resultierenden Konsequenzen auf die Arealentwicklung erfordern eine interdisziplinäre Denk- und Arbeitsweise sowie Fachkompetenzen in den Bereichen Community Building, Digitalisierung, Workplace Management und Energie.

Städte sind die Staaten von morgen, schreibt das deutsche Zukunftsinstitut. Die Zahlen geben ihm Recht: Seit 2007 leben mehr Menschen in städtischen Gebieten als auf dem Land, 2035 werden es gemäss UNO voraussichtlich 62% sein.

Die Schweiz bildet hier keine Ausnahme: rund drei Viertel der Menschen wohnen und arbeiten hierzulande in Städten oder der Agglomerationen. Im Bestreben einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung werden leerstehende, gut gelegene Industrie- und Produktionsareale zum Brennpunkt und rücken in den gesellschaftlichen und politischen Diskurs. Man erinnere sich an dieser Stelle beispielsweise an die lebhaften Debatten über das Hardturm-Areal im Zürcher Kreis 5, das weit über die Kantonsgrenze hinaus für Schlagzeilen sorgten.

Ein neues Verständnis von Immobilien

Zeitgleich mit dem Interesse wachsen auch die Ansprüche und reichen von einer nachhaltigen Ausrichtung über flexible Flächennutzung bis hin zur funktionalen und sozialen Durchmischung. «Erfolgreiche Areale sind künftig mehr als nur Renditetreiber; sie werden zu einem kulturellen Instrument», erklärt Reto Cajacob, Standortleiter von pom+ Basel. Mit seinem Team begleitet er derzeit verschiedene Arealentwicklungen in der Deutschschweiz und stellt dabei fest, dass die wachsende Anzahl der Rahmenbedingungen und die zunehmende Komplexität von Anforderungen eine ganzheitliche, interdisziplinäre Denk- und Arbeitsweise erfordern: «Wir bauen nicht länger für die Ewigkeit, sondern für die Zukunft! Damit ändern sich auch unser Verständnis von und unser Verhältnis zu Immobilien – und zwar von Grund auf.»

Innovative Projekte zur Umnutzung von bestehenden Industrie- und Produktionsarealen in der Schweiz machen es vor:

  • Das uptownBasel in Arlesheim wird derzeit als Kompetenzzentrum für die Industrie 4.0 auf dem Schorenareal erstellt und richtet sich auf die digitale Produktion und Robotik aus.
  • Derweilen plant der Innovationspark Zürich, Wissenschaft mit Wirtschaft auf dem ehemaligen Flugplatz Dübendorf zu verbinden und Büroflächen, Labors und Werkstätten gemischt in den Hangars zu errichten.
  • Und auch in der Westschweiz tut sich einiges: So organisiert sich beispielsweise das Quartier de l'Étang auf dem ehemaligen Industrieareal in Vernier bei Genf in Blöcken mit dem Ziel, funktionale und soziale Bedürfnisse gezielt zu verbinden, um Unternehmen und Anwohnern gleichermassen «eine nachhaltige Antwort auf das Leben in der Stadt» zu bieten.

All diesen Projekten gemeinsam ist ein neues Zweckverständnis: «Das Areal der Zukunft setzt den Mensch ins Zentrum und erfüllt seine Ansprüche an maximaler Flexibilität, durchgehender Vernetzung und einer nachhaltigen Energiebilanz», so Cajacob.

Die Community als Grundlage für Transformation

Die Coronakrise dürfte diese Entwicklung künftig noch beschleunigen. Cajacob stellt im Rahmen seiner Arealentwicklungsprojekte immer wieder fest: «Viele der nun aufkommenden Fragen stehen in direktem Zusammenhang mit der Art und Weise, wie wir Räume privat und geschäftlich nutzen. Das geht weit über den organisatorischen Bereich hinaus. Wie wollen wir künftig zusammenleben und zusammenarbeiten und welche Voraussetzungen müssen wir dafür schaffen? Wie sieht das Arbeitsmodell der Zukunft aus, insbesondere dann, wenn Lebens- und Arbeitsraum immer mehr verschmelzen? Welche Prozesse müssen dafür digital vernetzt werden? Und wie stellen wir eine flexible Nutzung unserer Flächen sicher? Die zukunftsträchtige Arealentwicklung erfordert eine klare Vision und eine konkrete Strategie als Antwort auf solche Fragen.»

Der Bedeutungswandel macht Areale zusehends zu einem Ort der Begegnung, der Auseinandersetzung und der Kollaboration. Cajacob sieht darin ihren grössten Vorteil: «Areale bieten eine hervorragende Möglichkeit zur gelebten Kollaboration und Kooperation innerhalb eines Ökosystems und schaffen dadurch neue Wachstumsfelder. Echte Transformation entsteht erst durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Technologien, Services und Perspektiven sowie deren Integration in ein übergeordnetes Konzept.»

Doch phasen- und spartenübergreifende Zusammenarbeit ergibt sich nicht von allein; sie muss aktiv gefördert und betreut werden. Community Building oder auch Co-Creation sind denn auch zentrale Bestandteile einer zukunftsgerichteten Arealentwicklung und müssen frühzeitig in strategische Überlegungen einbezogen werden. «Networking-Apéros allein reichen in unserer schnelllebigen Zeit nicht mehr aus, um den Austausch zwischen den einzelnen Parteien gezielt zu fördern. Es bedarf zudem einer digitalen Plattform und einem strukturiertem Community Management», meint Cajacob dazu.

Eine innovative Vision gepaart mit einem klaren Bekenntnis zur User Centricity machen Areale also zu einem relevanten Gut für Wirtschaft und Gesellschaft. Für deren Entwicklung sind spezielles Know-how und interdisziplinäre Ideen gefragt. Mit anderen Worten: Es braucht Experten.


Die wachsende Anzahl der Rahmenbedingungen und die zunehmende Komplexität von Anforderungen und Bedürfnissen an die Arealentwicklung erfordern eine ganzheitliche Denk- und Arbeitsweise sowie Fachkompetenzen in den Bereichen Community Building, Digitalisierung, Workplace Management und Energie.

Wir unterstützen Arealentwickler bei der Ausgestaltung ihrer Vision und beraten sie zu ökonomischen, ökologischen und organisatorischen Aspekten bei der Arealentwicklung der Zukunft. Kontaktieren Sie uns.