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Covid-19, Digital

Schnittstellen als Pipelines der Zukunft: Was Ihre IT-Strategie mit Nachhaltigkeit zu tun hat

Andreas Wehrle 10.11.2020

Mit der Coronakrise wachsen Business und IT noch stärker zusammen, als es bisher schon der Fall war. Eine integrale IT-Strategie ist die Voraussetzung, um als Immobilieneigentümer von dieser Verschmelzung zu profitieren und die vorhandenen Mittel zukunftsorientiert einzusetzen – zum Beispiel zur Förderung von Nachhaltigkeit.

Die corona-bedingten Veränderungen in der Arbeitswelt zeigen jetzt schon deutlich, dass jedes Unternehmen ein Grundverständnis von Informationstechnologie entwickeln muss, um kurzfristig handlungsfähig und langfristig rentabel zu bleiben. Wenn die bestehende, meist über Jahre hinweg gewachsene IT-Infrastruktur nun willkürlich um einzelne Applikationen ergänzt wird, führt der oft bunte Systemmix über kurz oder lang ins Chaos. Angefangen bei Updates zu unterschiedlichen Zeitpunkten über fehlende Schnittstellen und erzwungene Applikationswechsel bis hin zur manuellen Übertragung von sensiblen Daten in unterschiedlichen Tools sorgt die beliebige Zusammensetzung einer Systemlandschaft einerseits für einen enormen Mehraufwand in den eigenen Reihen und andererseits für ein erhöhtes Fehlerrisiko.

Nachhaltige Erfolge? Erfolgreiche Nachhaltigkeit!

Solche Probleme lassen sich mit einer übergeordneten IT-Architektur, die sich konsequent am eigenen Geschäftsmodell ausrichtet, vermeiden. Im Idealfall funktioniert eine integrale IT-Strategie wie eine Krankenversicherung: wir ergänzen die Grundstruktur mit individuell abgestimmten Zusatzmodulen, bestimmen das passende Kostenmodell und sind dabei weder über- noch unterversichert. Dazu sind drei Schritte zu durchlaufen: 

  • Unterstützung der Geschäftsstrategie («Top-Down»)
  • Identifikation einzelner Services («Bottom-Up»)
  • Integration in die Organisation

In jüngerer Zeit zeigt sich immer deutlicher, dass ein solches Vorgehen nicht nur für nachhaltige Erfolge, sondern auch zeitgleich für erfolgreiche Nachhaltigkeit sorgen kann.

1. Unterstützung der Geschäftsstrategie

Zu Beginn wird die strategische Ausrichtung der IT festgelegt. Das setzt den Abgleich der technologischen Mission mit der Geschäftsstrategie voraus, wobei die Ziele aus der Unternehmensstrategie durch entsprechende Ziele seitens IT unterstützt werden. Mit Methoden wie Maturitäts-Assessment, Risiko-/Nutzen-Analyse oder GAP-Analyse wird die angestrebte Organisationsform hergeleitet, das sogenannte Target Operating Model (TOM). Damit wird die Verbindung von Vision, Strategie und Organisationsstruktur sichergestellt. Im Anschluss empfiehlt es sich, die erforderlichen Massnahmen in einer Roadmap zu dokumentieren, um die Transformation vom IST- in den SOLL-Zustand zu gewährleisten. 

Knowledge applied - in der Praxis: Eine Pensionskasse möchte ihr Portfolio hinblickend Nachhaltigkeit verbessern und den ESG-Fussabdruck reduzieren. Sie beauftragt die Immobilienbewirtschafterin also mit dem strategischen Ziel, ausgewählte Liegenschaften nachhaltiger zu gestalten und eine adäquate Zertifizierung zu erreichen (z.B. DGNB/SGNI oder GEAK). Entsprechend sollen punktuelle Modernisierungen angebracht werden. Mieterumfragen haben zudem ergeben, dass im Bereich des Abfallmanagements Defizite bestehen. In Konsequenz soll eine transparente Darstellung der Energieverbrauchs- und Abfallwerte ermöglicht werden. 

2. Identifikation einzelner Services

Nach der Definition der übergreifenden Vorgaben, werden im zweiten Schritt einzelne Handlungsfelder identifiziert und bezüglich ihrem Veränderungspotenzial evaluiert. Dabei kann es sich um Cloud- oder IoT-Lösungen, aber auch um andere Applikationen oder technische Verbesserungen handeln. In einem Business Case werden u.a. Kosten und Nutzen abgewogen (TCO – «Total Cost of Ownership»), qualitative Aspekte berücksichtigt sowie die Einbindung in Zielarchitektur umrissen. Anschliessend wird ein passender Lösungsanbieter gesucht, z.B. im Rahmen eines Vergabeverfahrens.

Knowledge applied - in der Praxis: Neue technische Möglichkeiten und flexible Entsorgungsunternehmungen erlauben eine verbrauchsbasierte Abfallentsorgung. Die Entsorgung geschieht also dann, wenn sie erforderlich ist. Entsprechend sollen moderne Container eingesetzt werden, welche mit entsprechender Sensorik ausgestattet sind (IoT). Die Sensoren lösen via Schnittstelle eine Leerung durch den externen Dienstleister aus und liefern zudem wöchentlich die aktuellen Volumenwerte. Diese Werte werden automatisch in den relevanten Systemen abgebildet.

3: Integration in der Organisation

Zuletzt gilt es, die ausgewählte Lösung in der Organisation zu verankern und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Häufig werden neue Applikationen in so genannten Integrationsprojekten in die bestehende Systemlandschaft eingebettet, wobei insbesondere die notwendigen Prozesse anzupassen sind und die Auswirkungen auf die übrigen Systeme geprüft werden muss. Dem organisatorischen Change Management kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: die betroffenen Anspruchsgruppen werden mit dem neuen System vertraut gemacht und der Mehrwert aufgezeigt. Dadurch werden allfällige Widerstände frühzeitig vermieden und eine positive Grundhaltung gegenüber der Veränderung etabliert.

Knowledge applied - in der Praxis: Im Rahmen eines Projektes werden die erforderliche Infrastruktur sowie Hard- und Software aufgebaut. So sind wöchentlich aktuelle Abfallwerte verfügbar und können auch den Mietern via Mieter-App aufgezeigt werden. Zur Einbindung der Bewohner wird im Sommer eine Challenge durchgeführt: «Minimal Waste – gemeinsam weniger Abfall». Somit wird nicht nur die Menge an Abfall reduziert, sondern als Folge der gemeinsamen Aktion auch der Mieterzusammenhalt gesteigert. Vielleicht kann dadurch gar die Anzahl der Mieterwechsel verringert werden? Auf jeden Fall kommt die Pensionskasse ihrem ursprünglichen Ziel – dem Nachhaltigkeitszertifikat – somit einen grossen Schritt näher.

Vom «neuen Öl» zu den Pipelines der Zukunft

Wie bei allen strategischen Entwicklung gilt es auch hier, ein besonderes Augenmerk auf Daten zu legen und dabei insbesondere die Vorteile einer defensive gegenüber einer offensiven Datenstrategie abzuwägen. Steht die Minimierung von Risiken im Vordergrund, bspw. die Vermeidung von Datenschutzverletzungen und die Reduktion von Betriebskosten ist eine defensive Strategie zu wählen. Wird hingegen eine offensive Strategie angestrebt, steht die Weiterverwendung der vorhandenen Daten im Vordergrund. In diesem Fall drängt sich eine zentrale Datenhaltung in einem Data-Hub auf, welcher eine Verknüpfung der Daten unterstützt und die Gewinnung neuer Erkenntnisse vereinfacht. Dabei ist essenziell, dass die einzelnen Applikationen den Datenaustausch unterstützen und dadurch die Verknüpfung der Datensätze möglich ist.

Wenn Daten also tatsächlich das vielbesungene «neue Öl» der Welt sind, dann gilt auch: Schnittstellen sind die Pipelines der Zukunft.


Wir unterstützen Sie vollumfänglich bei der Entwicklung einer integralen IT-Strategie. Als Digital Advisor beraten wir Sie schon vor der Realisierung und Einführung neuer Technologien bzw. dem Demand- und Releasemanagements bei der Ideenfindung, Ausgestaltung einer Digitalisierungsstrategie und Ermittlung einer Zielarchitektur; stets gestützt auf unsere 25-jährige Expertise in der Immobilienwirtschaft.