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Trends

Trend Dekarbonisierung: Die Erreichung der Klimaziele geniesst eine hohe Priorität

Gaëlle Christory 21.03.2022

Ob Netto-Null-Ziele, Klimajugend oder Flugscham – Klimaneutralität ist einer der grossen Treiber unserer Zeit. Die Bau- und Immobilienwirtschaft fokussiert sich dabei insbesondere auf Massnahmen zur Dekarbonisierung. Das ergeben die Resultate der Digital Real Estate Umfrage 2022 von pom+. 

Im Fokusteil der Markstudie wurden den rund 200 Führungs- und Fachkräften aus der Immobilienwirtschaft zwölf ausgesuchte Trends zur Beurteilung vorgelegt. Analysiert wurden der Einfluss auf die Rolle des eigenen Unternehmens bzw. der eigenen Organisation auf einer Skala von 0 bis 3, die Auswirkungen auf die Bau- und Immobilienwirtschaft und der Zeitpunkt, an dem die Mehrheit der Marktteilnehmenden auf den Trend reagieren wird. Dekarbonisierung wurde als besonders relevanter Trend klassifiziert.

In der Immobilienwirtschaft schlägt das nachhaltige Gedankengut insbesondere in Form von Absenkpfaden und Nullemissionen zu Buche. Letzteres bezieht sich auf Objekte, bei deren Bau, Ausführung, Nutzung oder Entsorgung keine umweltschädlichen Emissionen entstehen. Die zunehmenden Regulierungen im Bereich Nachhaltigkeit, verpflichten die Investor:innen zu grösserer Transparenz– Stichwort EU-Taxonomie –, gleichzeitig werden vermehrt bauliche Vorgaben im Zusammenhang mit Energieverbrauch und Dekarbonisierung geschaffen.

Die Umfrageergebnisse widerspiegeln die hohe Relevanz in der Praxis: Dem Trend zur Dekarbonisierung wird mit 2,34 Punkten die höchste Auswirkung auf die Immobilienwirtschaft zugesprochen. Darüber hinaus wird erwartet, dass sich die Mehrheit der Branchenakteur:innen innerhalb der nächsten zwei Jahren damit beschäftigt. Auch der geschätzte Einfluss auf die eigene Unternehmung liegt mit 1,95 Punkten sehr hoch.

Die Einschätzung der Expertin

Die Ergebnisse entsprechen unseren Erfahrungen im Projektalltag und zeigen, dass ein Ruck durch die Branche gegangen ist: Der eigene Beitrag an die Erreichung der Klimaziele geniesst eine hohe Priorität und erstreckt sich nicht mehr alleinig darauf, dass der Energieverbrauch in der Betriebsphase optimiert werden kann. Stattdessen gewinnt die Nachfrage nach einer ressourcenschonenden Bauweise bzw. umweltfreundlichen Instandsetzung stetig an Aufwind. So werden Neubauten immer häufiger mit Hinblick auf eine nachhaltige Zertifizierung geplant, projektiert und erstellt. Und auch bei Bestandsbauten hat das Interesse an grünen Gebäudelabels wie LEED in den letzten Jahren stark zugenommen.

Die Bemühungen um die Senkung von Emission gehen Hand in Hand mit der strukturierten Sammlung, dem gezielten Monitoring und der korrekten Interpretation von Gebäude- und Verbraucherdaten. Life Cycle Data Management rückt immer stärker in den Vordergrund. Ausserdem trägt die zunehmende Anwendung von BIM dazu bei, Nachhaltigkeit als Dimension über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes hinweg zu berücksichtigen und nicht allein in der Nutzungsphase. Künftig müssen sich die beteiligten Rollen schon bei der Planung und Finanzierung, im Bau und Betrieb sowie im Rückbau damit auseinandersetzen, Daten laufend zu erfassen und konkrete Zielwerte anzustreben.

Ob die Mehrheit der Marktakteur:innen in rund zwei Jahren dazu im Stande sein wird, ist fraglich. Noch hat die konkrete Datenbestellung eines Bauherrn mit Blick auf die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes Seltenheitswert. Und selbst im Fall von korrekten Anforderungsdefinitionen sind viele Projektbeteiligte noch nicht in der Lage, die erhaltenen Daten richtiggehend zu prüfen, zu verarbeiten und zu übernehmen, sodass sie phasen-, prozess-, partner- und projektübergreifend angewendet werden können.


Über die Studie

Die Digital Real Estate Umfrage erhebt seit 2016 jährlich den Stand der digitalen Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft in der Schweiz und seit 2019 auch für Deutschland. Das Whitepaper präsentiert die Ist-Situation in den beiden Ländern basierend auf den Einschätzungen von verschiedenen Führungs- und Fachkräften aus der Branche und wird durch das Expertenwissen von Beraterinnern und Berater der pom+Consulting AG ergänzt.

Die Studie kann kostenlos heruntergeladen werden.

Download Studie