Data & Digital Immobilien

Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft: Was lange währt...

30.03.2026

Isabel Gehrer

Viele Unternehmen unterschätzen das Fundament der digitalen Transformation: Ohne klare Strukturen, saubere Prozesse und moderne Systeme bleiben Business Cases und ROI-Berechnungen oft Wunschdenken. Digitalisierung ist daher kein einmaliges Technologieprojekt, sondern verlangt Systematik, strategische Orientierung und kontinuierliche Investitionen auch in Menschen und Organisation. Die Studienresultate zeigen eine Branche «im Werden» und «Non-Finito» als Aufforderung, konsequent weiterzuarbeiten.

«Non-Finito» sagte einst der bekannte Künstler Michelangelo über seine unvollendeten Werke. «Non-Finito» ist auch der Tenor bei der digitalen Transformation in der Schweizer Immobilienwirtschaft. Der diesjährige Digital Real Estate Index (DRE-i) steigt zwar gegenüber dem Vorjahr leicht an und erreicht 4,3 Punkte. Dennoch befindet sich die Immobilienbranche gemäss den Evolutionsstufen des DRE-i weiterhin tief in der digitalen Antike.

Die Digitalisierung ist zwar für die Mehrheit der Unternehmen zwischenzeitlich ein zumindest ansatzweise strategisch verankertes Thema und auch die primären Ziele, die den Fokus oftmals auf Effizienzsteigerung und Optimierung des Geschäftsmodells legen, sind klar. Doch der Weg dorthin gestaltet sich keineswegs geradlinig: In den letzten Jahren wurde viel investiert, getestet und eingeführt, das aber oft ohne übergeordnetes Konzept. Statt eines digitalen Unterbaus entstanden neue Tools und Fachsysteme, die zwar einzelne Probleme anpacken, aber nicht aufeinander abgestimmt sind. Heute rächt sich das willkürlich anmutende Kunstwerk und sorgt vielerorts für Frustration.

Der Eisberg-Effekt

Gefragt nach den Hindernissen der digitalen Transformation, sind sich die Teilnehmenden einig, dass Investitionen und Kosten sowie Datenverfügbarkeit, -sicherheit und -hoheit an der Spitze der Herausforderungen stehen. Wie tief viele andere noch unter der Oberfläche schlummern, wird indes oft (zu) spät erkannt.

Herausforderungen wie System Legacy und Integration, Strukturen und Prozesse, digitale Kompetenzen, Unternehmenskultur und der strategische Fokus werden nur unterschwellig (wenn überhaupt) wahrgenommen. Besonders spannend ist, dass sogar der viel proklamierte Fachkräftemangel als keine wirkliche Herausforderung bewertet wird. Doch wenn also genügend digitale Talente vorhanden sind, warum stagniert dann der digitale Reifegrad seit Jahren?

Wenn Transformation am Fundament scheitert

Unsere Auswertung legt nahe, dass viele Teilnehmende den digitalen Unterbau unterschätzen. Daten und Kosten sind ohne Zweifel zentrale Faktoren jeder Transformation. Doch ohne klare Strukturen, saubere Prozesse und moderne Systeme bleibt jede Business Case Theorie und jede ROI-Berechnung Wunschdenken. Denn gerade veraltete Technologien bremsen Organisationen aus. Sie verursachen hohen Wartungsaufwand, erschweren Integrationen und binden Ressourcen. Und auch nach einer Erneuerung verschwinden diese Kosten nicht einfach.

Digitalisierung ist deshalb längst kein Innovationsprojekt mehr und schon gar keine reine Frage der Technologie. Sie verlangt Systematik, strategische Orientierung und die Einsicht, dass Transformation kein Zustand ist, den man einmal erreicht und abhaken kann. Es erfordert eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Veränderungen in unserer Umwelt und Investitionen auf allen Ebenen der Organisation.

Von diesem Mindset sind wir allerdings noch weit entfernt, und damit nicht allein: Eine Analyse von Deloitte zeigt, dass rund 93 % aller AI-Investitionen in Technologie fliessen, während lediglich 7 % in Strukturen und Menschen investiert werden…

Letztlich deuten die Ergebnisse unserer Digital Real Estate & Construction Studie deshalb auf eine Transformation hin, die noch mitten im Werden ist. Genau darin liegt ihre eigentliche Bedeutung. Sie fordert die Branche heraus, konsequenter zu handeln. Digitalisierung lässt sich nicht als lästige Pflicht oder reiner Kostenblock behandeln. Sie verlangt Commitment – finanziell, aber auch psychologisch.

Halten wir uns also an Michelangelos «Non-Finito». Es soll uns daran erinnern, dass Unvollständigkeit kein Scheitern ist, sondern ein Zustand, der zum Weiterarbeiten verpflichtet.